Frühe Menschen verließen Afrika vor dem Homo erectus, legen fossile Zähne nahe

5

Neue fossile Beweise deuten darauf hin, dass die Vorfahren des modernen Menschen möglicherweise früher als bisher angenommen aus Afrika ausgewandert sind – möglicherweise Hunderttausende Jahre vor Homo erectus, der Art, die lange Zeit als die erste galt, die sich über den Kontinent hinauswagte. Diese Entdeckung stellt den etablierten Zeitrahmen der menschlichen Evolution in Frage und wirft Fragen über die Vielfalt der frühen Hominin-Arten auf.

Die Dmanisi-Site: Ein Schlüssel zur Vergangenheit

Seit drei Jahrzehnten ist die mittelalterliche Bergstadt Dmanisi in Georgien ein archäologischer Hotspot. Geborgene Schädel, die 1,8 Millionen Jahre alt sind, enthüllen eine der ältesten bekannten menschlichen Siedlungen außerhalb Afrikas. Diese Fossilien haben eine Debatte ausgelöst: Repräsentieren sie eine einzige, sehr variable Homo erectus -Population oder mehrere verschiedene Arten?

Die neueste, in PLOS One veröffentlichte Studie konzentriert sich auf zahnärztliche Analysen zur Lösung dieses Streits. Im Gegensatz zu früheren Studien, die sich auf die Schädelmorphologie konzentrierten, untersuchten Wissenschaftler in Dmanisi 24 Zähne von drei Individuen und verglichen sie mit einer Datenbank mit über 550 Zähnen verschiedener Homininenarten.

Es entstehen zwei unterschiedliche Gruppen

Die Zahnanalyse ergab eine klare Unterteilung: Eine Gruppe ähnelte stark Australopithecus (frühe, affenähnliche Homininen), die andere ähnelte eher späteren Homo -Arten. Besonders auffällig war dieser Unterschied bei den Oberkieferzähnen. Forscher argumentieren, dass dies darauf hindeutet, dass es in Dmanisi mindestens zwei separate Abstammungslinien gab.

„In der Dmanisi-Region kamen wahrscheinlich mehr als eine Art vor“, erklärt Mark Hubbe, Co-Autor der Studie. Die Unterschiede zwischen diesen Gruppen seien vergleichbar mit denen zwischen männlichen und weiblichen Schimpansen oder Gorillas, fügt er hinzu.

Implikationen für die menschliche Migration

Sollte sich dieser Befund bestätigen, deutet dies darauf hin, dass die frühen Homininen Afrika vor dem Homo erectus verließen, was die lange gehegte Erzählung von erectus als dem ersten großen Migranten in Frage stellt. Diese früheren Einwanderer hatten möglicherweise keine große Ähnlichkeit mit modernen Menschen; einige haben möglicherweise primitivere Merkmale beibehalten.

Der Paläoanthropologe Chris Stringer bemerkt: „Wenn man die Schlussfolgerungen der neuen Studie akzeptiert, dann ist die größte Schlussfolgerung, dass es eine frühere und ‚primitivere‘ Art gab, die aus Afrika eingewandert ist als allgemein angenommen.“ Dies erhöht die Möglichkeit, dass diese frühen Migranten zur Entwicklung späterer, geografisch isolierter Homininen wie Homo luzonensis und Homo floresiensis beigetragen haben.

Verbleibende Unsicherheiten

Die Studie ist nicht ohne Skeptiker. Einige Forscher argumentieren, dass die beobachtete Zahnvariation einfach natürliche Unterschiede innerhalb einer einzelnen, variablen Art widerspiegeln könnte. Karen Baab, Paläoanthropologin an der Midwestern University, schlägt eine einfachere Erklärung vor: „Eine einzige, wenn auch sehr variable Art vorzuschlagen, bei der einige Individuen mehr Merkmale ihrer Vorfahren beibehalten und andere stärker abgeleitet sind.“

Weitere Forschung – einschließlich umfassenderer Fossilfunde und fortgeschrittener genetischer Analysen (wenn möglich) – ist erforderlich, um die Debatte endgültig zu lösen.

Zusammenfassend untermauert diese Studie die Vorstellung, dass die Migration der Menschen aus Afrika komplexer und früher erfolgte als bisher angenommen. Während weiterhin Unsicherheiten bestehen, deuten die Beweise darauf hin, dass mehrere Hominin-Arten sich vor dem Homo erectus über Afrika hinaus vorgewagt haben könnten, was unser Verständnis der frühen menschlichen Evolution verändert hat.

попередня статтяWebb-Teleskop entdeckt ungewöhnliche „Schnabeltier“-Objekte im frühen Universum
наступна статтяSupermassereiches Schwarzes-Loch-Paar enthüllt beispielloses Jet-Verhalten