Eine neue Studie zeigt, dass vom Aussterben bedrohte afrikanische Pinguine zunehmend gezwungen sind, direkt mit kommerziellen Fischereifahrzeugen um schwindende Nahrungsvorräte zu konkurrieren. Die von der University of St Andrews geleitete Forschung führt eine neuartige Metrik ein – die „Überlappungsintensität“ – um zu quantifizieren, inwieweit Pinguine und Fischereiflotten Nahrungsgründe gemeinsam nutzen und wie dieser Wettbewerb eskaliert, wenn die Fischbestände zurückgehen. Die Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit eines verbesserten Fischereimanagements und eines wirksamen Meeresschutzes.
Der wachsende Wettbewerb
Die Populationen der Afrikanischen Pinguine sind in den letzten drei Jahrzehnten um fast 80 % zurückgegangen, wobei die Konkurrenz um Sardinen und Sardellen – ihre Hauptbeute – eine wichtige Rolle spielt. Die im Journal of Applied Ecology veröffentlichte Studie zeigt, dass Pinguine in Jahren mit geringem Fischreichtum weitaus häufiger in Gebieten suchen, die von kommerziellen Fischereifahrzeugen genutzt werden. Dieser Wettbewerb erhöht den Druck auf eine Art, die bereits in einer schweren Krise steckt.
Messung der Überlappung
Das Forschungsteam entwickelte die „Überlappungsintensität“, um über die bloße Kartierung des gemeinsamen Raums zwischen Pinguinen und Fischereifahrzeugen hinauszugehen. Die Metrik misst, wie viele Pinguine tatsächlich von dieser Überschneidung betroffen sind, und liefert so ein genaueres Bild des ökologischen Risikos. Anhand von Trackingdaten von Pinguinen auf Robben und Dassen Island stellten Forscher einen starken Anstieg der Überschneidungen in Jahren mit knapper Nahrung fest. Im Jahr 2016 – einem Jahr mit geringer Fischbiomasse – suchten rund 20 % der Pinguine in denselben Gebieten nach Nahrung wie aktive Fischereifahrzeuge. Im Gegensatz dazu sank die Überschneidung in Jahren mit gesünderen Fischbeständen auf nur 4 %.
Die Auswirkungen auf das Überleben der Pinguine
Die zunehmende Konkurrenz ist besonders gefährlich in kritischen Phasen wie der Kükenaufzucht, wenn erwachsene Pinguine effizient nach Nahrung suchen müssen, um ihre Jungen zu ernähren. Wenn die Fischbestände niedrig sind, sind Pinguine gezwungen, direkt mit Fischereifahrzeugen zu konkurrieren, was ihren Erfolg bei der Nahrungssuche verringert und das Überleben ihrer Küken gefährdet. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit eines ökosystembasierten Fischereimanagements, das die Auswirkungen auf gefährdete Arten berücksichtigt.
Naturschutz und politische Implikationen
Die Forschung bietet ein leistungsstarkes neues Instrument zur Bewertung ökologischer Risiken und zur Information über das Fischereimanagement. Durch die Quantifizierung der Überlappungsintensität auf Populationsebene können politische Entscheidungsträger die Auswirkungen der Fischereiaktivitäten auf das Überleben der Pinguine besser einschätzen. Die Ergebnisse unterstützen auch die Gestaltung dynamischer Meeresschutzgebiete, die auf Echtzeitänderungen in der Raubtier-Beute-Dynamik reagieren.
Bahnbrechender Gerichtsfall und Fischereischließungen
Der afrikanische Pinguin sorgte kürzlich in einem bahnbrechenden südafrikanischen Gerichtsverfahren für Schlagzeilen, in dem das Fehlen biologisch sinnvoller Fischereisperrungen in der Nähe von Pinguinbrutkolonien angefochten wurde. Als Reaktion darauf hat die südafrikanische Regierung rund um Robben Island, eine der wichtigsten untersuchten Kolonien, wieder Fischereiverbotszonen eingerichtet. Laut Dr. Jacqueline Glencross, Hauptautorin der Studie, „zeigt diese Forschung, warum diese Sperrungen notwendig sind. In zuvor ungeschützten Gebieten mit hoher Überlappungsintensität waren die Pinguine am stärksten gefährdet.“
Die Ergebnisse unterstreichen, dass ein wirksamer Schutz einen proaktiven Ansatz beim Fischereimanagement erfordert, der sicherstellt, dass die Bedürfnisse sowohl der Fischereiindustrie als auch gefährdeter Arten berücksichtigt werden. Ohne solche Maßnahmen bleibt die Zukunft des Brillenpinguins ungewiss
