Forscher fordern einen radikalen Wandel in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit: Konzentrieren Sie sich auf die Neutralisierung der Auswirkungen des Apoe-Gens, das ihrer Meinung nach ein Hauptauslöser der Erkrankung ist. Während neue Medikamente das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen, indem sie toxische Proteine beseitigen, ist ihre Wirkung begrenzt und viele bleiben unzugänglich. Diese Studie legt nahe, dass ein direkterer Ansatz die meisten Fälle insgesamt verhindern könnte.
Das Apoe-Gen: Ein kritisches Ziel
Dr. Dylan Williams vom UCL argumentiert, dass die meisten Alzheimer-Fälle nicht auftreten würden, wenn die schädlichen Auswirkungen zweier Apoe-Genvarianten beseitigt würden. Das Apoe-Gen trägt drei Hauptversionen: Apoe2 (schützend), Apoe3 (neutral, aber jetzt mit einem Risiko verbunden) und Apoe4 (hohes Risiko). Das UCL-Team analysierte die Aufzeichnungen von über 450.000 Europäern und stellte fest, dass 72 bis 93 % der Alzheimer-Fälle und etwa 45 % aller Demenzerkrankungen durch die Neutralisierung von Apoe3 und Apoe4 verhindert werden könnten.
„Fast alle potenziellen Alzheimer-Fälle könnten von Interventionen im Zusammenhang mit Apoe profitieren.“ – Dr. Dylan Williams, UCL
Dieser Befund ist von Bedeutung, da in Großbritannien über eine halbe Million Menschen und weltweit über 40 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen sind. Auch Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Fettleibigkeit und schlechte Ernährung erhöhen das Risiko, doch das Apoe-Gen scheint der dominierende Faktor zu sein.
Die Herausforderung der Intervention
Die Rolle des Apoe-Gens beim Cholesterintransport macht die Sache komplizierter: Eine vollständige Deaktivierung könnte zu anderen Gesundheitsproblemen führen. Zukünftige Therapien könnten die Bearbeitung von Genen oder die Dämpfung der Variantenaktivität beinhalten, aber diese liegen noch in weiter Ferne und sind ungewiss. Darüber hinaus tragen über 99 % der Bevölkerung Apoe3 oder Apoe4, was bedeutet, dass für eine maximale Wirkung eine nahezu universelle Behandlung erforderlich wäre.
Debatte und zukünftige Forschung
Die Studie hat eine Debatte ausgelöst. Einige Experten, wie Professor Tim Frayling von der Universität Genf, warnen vor Alarmismus und weisen darauf hin, dass die meisten Menschen Risikovarianten in sich tragen, ohne an Alzheimer zu erkranken. Andere, wie Professor Tara Spires-Jones von der University of Edinburgh, betonen jedoch, dass das Verständnis dieser Risikofaktoren für eine wirksame Prävention von entscheidender Bedeutung ist.
Die Forschung wirft wichtige Fragen auf: Wie erhöhen Apoe3 und Apoe4 das Alzheimer-Risiko, wie unterscheiden sich diese Effekte je nach ethnischer Zugehörigkeit und kann die gezielte Behandlung dieser Varianten eine praktikable Behandlung darstellen? Derzeit stehen dem NHS keine Apoe-Tests zur künftigen Risikobewertung zur Verfügung. Wenn Sie über Ihr Demenzrisiko besorgt sind, wenden Sie sich an Ihren Arzt.
Die Schlussfolgerung: Obwohl diese Studie komplex ist, zeigt sie einen möglichen Weg zur Alzheimer-Prävention auf, indem sie sich direkt mit der Rolle des Apoe-Gens bei der Krankheit befasst. Zukünftige Forschung ist von entscheidender Bedeutung, um die Durchführbarkeit und Sicherheit solcher Interventionen zu bestimmen.
















