Juckreiz mit 83: Das Syphilis-Rätsel eines belgischen Mannes

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Er war dreiundachtzig.

Lebt in Belgien.
Die Haut juckte so sehr, dass er in die Notaufnahme musste.

Vor dem Juckreiz kam jedoch das Erschlaffen. Eine Seite seines Gesichts wurde plötzlich schwach und hing herunter wie ein schwerer Vorhang. Die Ärzte nannten es eine einseitige periphere Gesichtsnervenlähmung. Er hatte kürzlich Fieber gehabt. Das war vergangen. Aber das Gesicht blieb hängen.

Die Neurologie führte Tests durch.
Sie stellten eine Anämie fest.
Fettleber.
Eine vergrößerte Milz.

Virusinfektion.
Das ist die Vermutung.
Mono? Negativ. CMV? Nein. HIV? Nein. Hep A bis E? Alles negativ. Die üblichen Verdächtigen waren nicht da.

Eine Woche später. Die Leber reagierte immer noch.
Aber das Gesicht reparierte sich nach zehn Tagen starker Kortikosteroide. Ein Sieg? Vielleicht.
Dann wurde es schlimmer.

Die Knie wurden steif. Knöchel blockiert.
Beine und Füße schwollen an. Gelegentlich auch Gesicht, Arme, Hände. Er nahm elf Pfund – fünf Kilogramm – zu, obwohl er mehr Wasser trank, als er normalerweise trank. Urin verdunkelt.

Nierenprobleme.

Dies war kein frischer Patient mit einem unbeschriebenen Blatt. Bluthochdruck. Cholesterin. Eine vergrößerte Prostata. COPD. Vor zwanzig Jahren hatte ich Rektumkarzinom und wurde mit allem behandelt, was damals nötig war.
Sexuelle Aktivität? Er und seine Frau, die seit fünfzig Jahren verheiratet waren, waren seit der Krebsbehandlung nicht mehr dabei gewesen. Inaktiv. Sicher? Das dachte er.

Dann kam der Juckreiz heftig.
Rot. Schuppiger Ausschlag an seinen Waden.
Zurück in die Notaufnahme.

Eine vollständige neurologische Untersuchung ergab ein langweiliges Normalergebnis. Motorstärke gut. Reflexe gut. Gang ok.

Die Geschichtsfrage veränderte das Spiel.

Ärzte gruben tiefer in die Vergangenheit. Er hatte vor langer Zeit beim Militär gedient. Dann junger Mann. Ungeschützter Sex. Mehrere Partner. Damals verschiedene sexuell übertragbare Krankheiten, aber er konnte sich nicht erinnern, welche. Er hat die Namen vergessen. Das macht das Gehirn.

Blutuntersuchungen schrien nach Aufmerksamkeit. Anämie. Blut und Eiweiß im Urin. Antinukleäre Antikörper schossen in die Höhe – ein Zeichen dafür, dass sein Körper sich selbst angriff. Sie untersuchten seine Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Weiße Blutkörperchen erhöht. Eine aktive Infektion, die sich in der Schutzflüssigkeit des Gehirns versteckt.

HIV war immer noch draußen.
TB war out.

  • Treponema pallidum*. Positiv.

Syphilis.

Aktive Syphilis.

Hier machte das medizinische Team eine Pause. Syphilis verläuft stufenweise. Primäre Wunden. Dann kommen sekundäre Symptome wie Hautausschlag hinzu. Wenn es nicht behandelt wird, kann es still werden. Latent. Jahrzehnte vergehen. Dann wacht es manchmal zu einem tertiären Angriff auf. Normalerweise trifft es die Nerven oder das Herz.

Dieser Typ hatte sowohl Anzeichen einer sekundären als auch einer tertiären Erkrankung. Ausschlag? Ja. Schwellung? Ja. Leberprobleme? Ja. Und diese Fazialisparese deutete direkt auf Neurosyphilis hin – Bakterien, die das Nervensystem zerfressen.

Er bekam sofort eine Penicillin-Spritze. Bevor das Labor den Nervenschaden bestätigte. Kluger Schachzug.

Dann kam der vierzehntägige Penicillin-IV-Kurs. Standardprotokoll für Neurosyphilis. Antihistaminika gegen den Juckreiz. Diuretika, um die Flüssigkeit aus seinen Beinen abzuleiten.

Einen Monat später? Besser. Der Ausschlag ist verschwunden. Schwellung. Die Leberwerte normalisierten sich. Die Nieren verlieren kein Protein mehr.

Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens erhielten einen Anruf. Seine Frau wurde getestet. Hatte sie es? Der Bericht bleibt still. Wir wissen es nicht.

Was ist daran seltsam? Timing.

Die sekundäre Syphilis tritt normalerweise innerhalb eines Jahres auf. Selten nach vier Jahren. Zuerst treten Wunden auf. Mund. Genitalien. Dann heilen sie. Dann die Sekundärstufe.

Seine Ärzte stellten eine Diskrepanz fest. Er hatte eine jahrzehntelange STI-Vorgeschichte. Aber die damalige Exposition sollte den Ausschlag jetzt nicht erklären. Es sei denn, das Immunsystem hat einen Schlag erlitten.

Die Steroide.

Vielleicht haben sie seine Immunantwort gerade so weit unterdrückt, dass alte Bakterien aufwachen. Dies sollte jedoch nur tertiäre Symptome auslösen. Kein ausgewachsener sekundärer Rückfall mit Fieber und Gewichtsverlust.

Wann hat er es bekommen?

„Eine neuere Exposition muss berücksichtigt werden.“

Ein Ausrutscher? Eine Affäre? Ein unbekanntes Ereignis? Der Fallbericht wird es nicht sagen.
Leber- und Nierensyphilis kommt ohnehin in weniger als 1 % der Fälle vor. Dieser Mann hat jeden ungeraden Marker auf einmal getroffen.

Wir mögen Geschichten mit nettem Ende. Ursache führt zur Wirkung.
Manchmal. Die Bakterien warten einfach. Sie verstecken sich im Blut, in der Leber, in den Nerven. Bis ein alter Mann mit Juckreiz aufwacht. Und fragt sich, was mit ihm passiert.

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