Farbenblindheit ist mit schlechteren Ergebnissen bei Patienten mit Blasenkrebs verbunden

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** Laut einer neuen Analyse globaler Gesundheitsakten besteht bei Personen mit Farbsehschwäche aufgrund der verspäteten Diagnose unter Umständen ein deutlich erhöhtes Risiko, an Blasenkrebs zu sterben. ** Die in Nature Health veröffentlichte Studie unterstreicht einen entscheidenden, aber oft übersehenen Zusammenhang zwischen Sinneswahrnehmung und Krebsüberlebensraten.

Das versteckte Warnzeichen

Für viele ist Blut im Urin das erste Anzeichen von Blasenkrebs. Menschen mit Farbenblindheit – insbesondere solche mit Rot-Grün-Mangel – können dieses Schlüsselsymptom jedoch möglicherweise nicht leicht erkennen. Die Unfähigkeit, Rot klar von anderen Farben zu unterscheiden, kann zu einer verzögerten medizinischen Behandlung führen, wodurch der Krebs in ein schwieriger zu behandelndes Stadium übergeht.

Die Studie analysierte Daten von über 275 Millionen Menschen und fand eine klare Korrelation. Patienten mit Farbenblindheit hatten über einen Zeitraum von 20 Jahren ein um 52 % höheres Sterberisiko im Vergleich zu Patienten mit normalem Farbensehen. Etwa die Hälfte der farbenblinden Patienten mit Blasenkrebs lebte zehn Jahre nach der Diagnose noch, im Vergleich zu drei Vierteln der entsprechenden Patienten mit normalem Sehvermögen.

Warum das wichtig ist: Screening-Lücken und Krebsbiologie

Die Forscher betonen, dass diese Überlebenslücke nicht auf einen biologischen Unterschied im Verhalten des Krebses zurückzuführen ist. Es steht vielmehr in direktem Zusammenhang mit einer beeinträchtigten Sinneswahrnehmung. „Eine beeinträchtigte Wahrnehmung von Rot ist hier wirklich die treibende Kraft“, erklärt der Bioingenieur Mustafa Fattah von der Columbia University.

Dieses Ergebnis unterstreicht ein entscheidendes Problem bei der Krebsvorsorge: Viele Krebsarten hängen davon ab, dass Patienten frühe, subtile Symptome erkennen. Für Blasenkrebs gibt es im Gegensatz zu Darmkrebs (bei dem routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen üblich sind) keine empfohlene symptombasierte Vorsorgeuntersuchung für die Allgemeinbevölkerung. Dies stellt für die Patienten eine größere Belastung bei der Selbstüberwachung dar, was für Menschen mit einer Farbsehschwäche problematisch ist.

Jenseits von Blasenkrebs: Eine umfassendere Implikation?

Die Studie berücksichtigte auch Darmkrebs, der durch Blut im Stuhl auftreten kann. Allerdings wurden in diesem Fall keine Überlebensunterschiede zwischen farbenblinden und nicht farbenblinden Patienten festgestellt. Der wahrscheinliche Grund? Regelmäßige Screening-Programme erkennen Darmkrebs häufig, bevor Symptome auftreten.

Was Ärzte tun sollten

Experten schlagen vor, dass Ärzte eine niedrigere Schwelle für die Untersuchung von Blasenkrebs bei farbenblinden Patienten mit Harnwegsbeschwerden beibehalten sollten. „Ich würde die Schwelle zur Untersuchung auf Blasenkrebs bei einem farbenblinden Patienten mit Harnwegsbeschwerden niedrig halten“, sagt Masahito Jimbo, ein Facharzt für Familienmedizin an der University of Illinois in Chicago.

Die Auswirkungen dieser Ergebnisse sind angesichts der Prävalenz von Blasenkrebs und Farbenblindheit, insbesondere bei Männern, erheblich. In den USA werden jährlich etwa 80.000 neue Fälle von Blasenkrebs diagnostiziert, wobei drei Viertel Männer betreffen. Etwa jeder zwölfte Mann leidet an einer Form von Farbsehschwäche.

Die Implikationen der Studie sind klar: Sinnesstörungen können sich direkt auf die Gesundheitsergebnisse auswirken, und die Screening-Praktiken müssen möglicherweise angepasst werden, um diesen Schwachstellen Rechnung zu tragen.

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