Luftgewehre: Eine neue Waffe im Kampf gegen invasive Korallen

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Während die globalen Korallenriffe durch den Klimawandel und die Versauerung der Ozeane in eine existenzielle Krise geraten, entsteht eine andere Art von Bedrohung: invasive Arten. Während einheimische Riffe ums Überleben kämpfen, besiedeln aggressive „Eindringlingskorallen“ schnell Hotspots der Artenvielfalt und verändern die Meeresökosysteme grundlegend.

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein überraschend einfaches Werkzeug – Unterwasser-Luftgewehre – eine äußerst wirksame Möglichkeit zur Bekämpfung dieser Eindringlinge darstellen könnte, ohne sie unbeabsichtigt bei der Ausbreitung zu unterstützen.

Die Bedrohung durch die „aggressive“ Sonnenkoralle

Der Hauptschuldige in dieser Studie ist die Sonnenkoralle (Tubastraea ). Seit ihrer Ankunft in Brasilien in den 1980er Jahren haben diese Korallen eine alarmierende Fähigkeit bewiesen, neue Umgebungen zu dominieren.

Die Sonnenkoralle ist aufgrund ihrer Fortpflanzungsfähigkeit besonders gefährlich:
Schnelle Ausbreitung: Ein einzelnes winziges Fragment kann zu einer vollständigen, neuen Kolonie heranwachsen.
Verdrängung von Ökosystemen: Während sie sich ausbreiten, verdrängen sie einheimische Arten und verändern den Lebensraum, wodurch er für andere invasive Organismen gastfreundlicher wird.
Resilienz: Sie können in Gebieten gedeihen, in denen einheimische Korallen sterben, und „hocken“ effektiv in wertvollen ökologischen Nischen.

Das Problem mit der herkömmlichen Entfernung

Bisher war die Standardmethode zur Entfernung invasiver Korallen das pneumatische Hämmern. Diese Methode ist zwar wirksam bei der Auflösung von Kolonien, weist jedoch einen großen Nachteil auf: Durch die physische Einwirkung werden die Korallen oft in sehr kleine Fragmente zersplittert, die eine Fortpflanzung ermöglichen. Anstatt das Problem zu lösen, kann das traditionelle Hämmern versehentlich als Ausbreitungsmechanismus wirken und den invasiven Arten dabei helfen, neue Gebiete zu besiedeln.

Eine Präzisionslösung: Die Air-Gun-Methode

Um dieses Problem zu lösen, entwickelten der Biologe Guilherme Pereira-Filho und sein Team eine Methode, die von Labortechniken zur Trennung von Korallengewebe von ihrem Skelett inspiriert war.

Der Prozess:
Forscher schlossen eine Luftpistole an einen Standard-Atemregler für Tauchgeräte an. Bei Feldtests im brasilianischen Alcatrazes Archipelago Wildlife Refuge verwendeten Taucher diese Waffen, um 48 Sonnenkorallenkolonien zu sprengen. In der Studie wurden diese behandelten Kolonien über einen Zeitraum von 180 Tagen mit 14 unberührten Kontrollvölkern verglichen.

Die Ergebnisse:
Effektive Zerstörung: Die Luftstöße haben die anvisierten Kolonien größtenteils ausgelöscht.
Keine Regeneration: Eine große Sorge war, ob sich das Korallengewebe ohne sein Skelett regenerieren könnte. Allerdings konnten die während des Sprengvorgangs gesammelten Proben im Labor nicht nachwachsen.
Minimale Ausbreitung: Im Gegensatz zum Hämmern führte die Luftgewehrmethode nicht zu einer „Gewebesuppe“, die sich ansiedeln und Kolonien neu starten konnte, womit ein zentrales Anliegen der Meeresökologen berücksichtigt wurde.

Blick nach vorne: Verstärkung der Verteidigung

Obwohl es sich bei der ursprünglichen Studie um einen kleinen Maßstab handelte, sind die Auswirkungen auf das Meeresmanagement erheblich. Die Forscher blicken nun auf zwei große Ausbauziele:

  1. Groß angelegte Anwendung: Übergang von einzelnen Tauchplätzen zur Verwaltung ganzer Inseln.
  2. Industrielle Nutzung: Entwicklung von Hochleistungsgeräten zur Reinigung von vom Menschen geschaffenen Strukturen wie Schiffsrümpfen, die als primäre Transportvektoren für invasive Arten fungieren, die sich über Ozeane bewegen.

„Es ist eine recht einfache Methode, die viele Vorteile für die Bewirtschaftung dieser invasiven Art bringen kann“, sagt Pereira-Filho.

Fazit

Durch den Einsatz von Druckluft zur Neutralisierung invasiver Korallen haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, Bedrohungen zu beseitigen, ohne eine weitere Ausbreitung auszulösen. Diese Methode ist ein wichtiges Instrument zur Erhaltung des empfindlichen Gleichgewichts unserer Ozeane und zum Schutz der einheimischen Artenvielfalt vor aggressiven Eindringlingen.

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