Wilson Pickett sang nicht nur Soulmusik. Er hat darin ausgesagt. Pickett wurde am 18. März 1941 in Prattville, Alabama, geboren und brachte die rohe, ungefilterte Kraft der Southern Black Church in die weltlichen Charts. Er hatte kein Interesse daran, zu singen. Er predigte. Sein Vortrag trug das Gewicht religiöser Überzeugung und verwandelte jedes Liebeslied in eine Predigt.
„Ich bin kein sanfter Sänger. Ich bin ein Cornbread-Sänger. Ich nenne einen Cornbread-Sänger [jemanden] mit dieser rauen Stimme, die aus dem Bauch kommt, nicht aus der Kehle.“
Dieser düstere, kehlige Stil wurde zu seinem Markenzeichen. Es war eine Stimme, die in der Kirche geschmiedet, vom Gospel geprägt und für die Rhythm-and-Blues-Bühne verfeinert wurde. Als er am 19. Januar 2006 in Reston, Virginia, starb, verlor die Musikwelt eine ihrer einflussreichsten Stimmen. Aber die Energie, die er in Platten wie „In the Midnight Hour“ gesteckt hat, bleibt unbestreitbar.
Von den Wurzeln des Detroit Gospel bis zu den Falcons
Pickett war eines von elf Kindern. Wie tausende andere Landarbeiter aus dem Süden wanderte seine Familie in den 1950er Jahren nach Norden aus und ließ sich im industriellen Detroit nieder, wo sein Vater in einer Autofabrik arbeitete. Dort waren die Wurzeln des Evangeliums tief verwurzelt. Seine ersten Aufnahmeerfahrungen waren rein spiritueller Natur. Er sang mit Gruppen wie den Violinaires und den Spiritual Five.
Er orientierte sich bei seinem Ansatz an Julius Cheeks aus den Sensational Nightingales. Cheeks war ein donnernder Schreier. Pickett übernahm diese Intensität. Er hat nicht nur Noten getroffen. Er hat sie angegriffen. Dieser Hintergrund im Gospel bildete die technische Grundlage für seine explosive weltliche Karriere.
Der böse Pickett und die Geburt eines Hits
Der Wechsel zur weltlichen Musik erfolgte schnell. Als Leadsänger der Falcons, einer Hardcore-Rhythm-and-Blues-Gesangsgruppe, war Pickett 1962 Co-Autor von „I Found a Love“. Dieser Titel erregte das Ohr des Atlantic Records-Produzenten Jerry Wexler.
Wexler sah etwas Gefährliches in Picketts Stimme. Er gab ihm den Spitznamen „der böse Pickett“. Er schickte ihn nach Memphis, Tennessee, um mit Steve Cropper zu schreiben. Cropper war Otis Reddings Mitarbeiter und Gitarrist bei Booker T. and the MG’s. Die Chemie stimmte sofort. Das Ergebnis war „In the Midnight Hour“ im Jahr 1965.
Es war ein Knaller. Von diesem Moment an war Pickett ein Star. Er hatte das Aussehen. Er hatte das Selbstvertrauen. Er wurde zu einer führenden Figur in der Southern-Fried-Schule des Soul-Gesangs. Sein ungeschminkter, direkt aus dem Bauch kommender Ansatz fand großen Anklang in einer bürgerrechtsorientierten Popkultur. Die Leute hörten ihn nicht nur. Sie fühlten ihn.
Muscle Shoals Magic und Philadelphia Polishing
Nach dem Memphis-Hit zog Pickett nach Muscle Shoals, Alabama, um in den FAME Studios aufzunehmen. In dieser Zeit entstanden seine größten Hymnen. „Land der 1000 Tänze“ (1966) und „Mustang Sally“ (1966) wurden zu Klassikern. „Funky Broadway“ folgte 1967. Diese Tracks waren roh. Sie waren dringend. Sie haben eine Ära definiert.
Später zog er nach Philadelphia und arbeitete mit den Produzenten Kenny Gamble und Leon Huff zusammen. Sie haben seinem feurigen Stil ein wenig die Schärfe genommen. Das Ergebnis war bei Titeln wie „Engine Number 9“ (1970) und „Don’t Let the Green Grass Fool You“ (1971) flüssiger. Es war polierter. Bevor er Atlantic Records verließ, hatte Pickett noch große Hits. „Don’t Knock My Love“ (1971), „Call My Name, I’ll Be There“ (1971) und „Fire and Water“ (1972) hielten ihn an der Spitze der Charts.
Niedergang, Wiederbelebung und Vermächtnis
Der Aufstieg von Funkbands und Disco in den späten 1970er Jahren veränderte die Landschaft. Picketts Popularität ging zurück. 1979 veröffentlichte er „Groove City“ für EMI. Es war seine Anspielung auf die Disco. Manche Kritiker nennen es einen Dance-Groove von monumentalem Format. Der Großteil der Branche war weitergezogen.
Pickett trat bis ins frühe 21. Jahrhundert hinein auf. Sein Einfluss ließ nicht nach. Jüngere Sänger wie Johnny Gill und Jonny Lang nannten ihn als große Inspiration. Die Stimmkraft, für die er sich einsetzte, blieb ein Maßstab.
1991 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Im Laufe seiner Karriere erhielt er fünf Grammy-Nominierungen. Dazu gehörten Anspielungen auf „In the Midnight Hour“, „Funky Broadway“ und sein letztes Album „It’s Harder Now“ (1999).
Sein Einfluss wurde posthum gefestigt. Im Jahr 2016 fügte die US-Kongressbibliothek „In the Midnight Hour“ dem National Recording Registry hinzu. Es wurde als kulturell, historisch und ästhetisch bedeutsam erachtet.
Pickett starb im Alter von 64 Jahren an einem Herzinfarkt. Aber die Maisbrotstimme hallt immer noch wider. Das hört man im Ruf. Man hört es an der Belastung. Man hört es bei jedem Soulsänger, der entschieden hat, dass Sanftmut nicht ausreicht. Die Geschichte der Soulmusik ist voller Stimmen. Pickett’s ist derjenige, der die Wahrheit auf den Punkt bringt.















